Der neue Tag, Anastasia Poscharsky-Ziegler, 24. Februar 2007.
Künstlerpersönlichkeit aus der Nähe gesehen.
Alfred Eckert veröffentlicht Biografie über Walter Ibscher anlässlich des 80. Geburtstags des Bildhauers und Grafikers.
Fürth/Tirschenreuth. Der in Nürnberg lebende Bildhauer und Grafiker Walter Ibscher wurde zu seinem 80. Geburtstag im Juli 2006 durch eine über dreihundert Seiten starke Biografie aus dem Fürther Verlag von Dr. Herbert Winter geehrt: großformatig, Hartcover, Leineneinband mit Schutzumschlag, 126 Schwarzweiße Abbildungen, teils ganzseitig, enthält „Wind unter den Flügeln“ alle Lebensdaten, das Werk- und Ausstellungsverzeichnis, sowie Bibliografie und Register.
Derjenige, der sich so unendlich viel Mühe gemacht hat, Leben und Werk Walter Ibschers nicht nur offiziell, sondern auch ganz persönlich und privat darzustellen, ist ein Freund und Schüler Ibschers: Der Tirschenreuther Alfred Eckert (Jahrgang 1963), der seit 1984 in Nürnberg lebt und arbeitet, lernte Ibscher vor sieben Jahren während seines Gaststudiums an der Georg-Simon-Ohm Fachhochschule im Fachbereich Architektur, Akt und Kunstgeschichte kennen.
Der Meisterschüler
Eckert, der 1984 als Finanzwirt vom Finanzamt Weiden nach Fürth versetzt wurde, begann im Jahr 2000 seine künstlerische Ader zu entdecken, bildete sich nach der Fachhochschule an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg fort, und baute im letzten Jahr als Meisterschüler an der Freien Kunstakademie Essen in den Fächern Freie Malerei und Bildhauerei seinen Abschluss mit Auszeichnung.
Eckert arbeitet für seine Bilder nur in Öl und Acryl. Auf Studienreisen durch über dreißig Länder auf allen fünf Erdteilen sammelte er Eindrücke. Als Autor erwarb sich Eckert 2006 im selben Jahr seines Studienabschlusses Meriten, durch die Biographie über Walter Ibscher, die nicht nur von Oberkonservator Dr. Claus Pese vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg hoch gelobt wird, der 1998 selbst eine Monographie über Ibscher herausgegeben hatte.
Ibscher, 1926 in Niederschlesien geboren, wird als Kind seiner Zeit vom Verlust der Heimat, als Soldat im Kriegseinsatz, und als Insasse eines französischen Gefangenen- und Straflagers arg gebeutelt. Dennoch brachte Ibscher gleich nach der Rückkehr in die neue Heimat Franken (1951) mit dem Studium der Bildhauerei bei Professor Hans Wimmer zu beginnen.
Ibscher wurde zu einem der vielfältigsten und bemerkenswertesten Plastiker, Grafiker, Medailleur und Designer der deutschen Nachkriegszeit: Zahlreiche Kunstwerke in Nürnberger Kirchen, aber auch „Das große Rad“ am Nürnberger Hauptzollamt und die „Kunstoase“ vor der Georg-Simon-Ohm Fachhochschule, belegen seine zahlreichen und anerkannten Aktivitäten.
Eine kurze Zeit, von 1981 bis 1982 war Walter Ibscher als hauptamtlicher Fachlehrer für Gestaltung an der Staatlichen Fachoberschule in Weiden tätig, bevor es ihn mit schwerer Erkrankung wieder in den Nürnberger Raum zog, und er dort an der staatlichen Fachoberschule eigene Lehrsysteme entwickelte.
Sakrale Kunst
Die sakrale Kunst nimmt im Leben des gläubigen evangelisch-lutherischen Künstlers einen großen Raum ein: im Jahr 1966 gestaltete er beispielsweise für die Auferstehungskirche in Nürnberg-Zerzabelshof das Bronzeportal, den Vorplatz und Teile der Inneneinrichtung. Auch der internationale Durchbruch ließ nicht warten: in New York (Ibscher: „In New York bekam ich Wind unter die Flügel!“), Biarritz, Paris, Graz und Zürich stellte der Schlesier und Wahlfranke erfolgreich aus.
Nürnberger Nachrichten, Bernd Zachow, 14. Dezember 2006.
Der Künstler als Privatmann.
Alfred Eckerts Buch über Leben und Werk des Bildhauers Walter Ibscher.
Eigentlich hielt der mittlerweile 80-jährige Künstler Walter Ibscher „das Persönliche“ in seinem eigenen Fall stets für eher nebensächlich. „Ich bin kein Privatmann, ich bin Bildhauer“, pflegte er zu sagen, wenn er auf seine Lebensgeschichte angesprochen wurde. Der Publizist Alfred Eckert hat sich davon jedoch nicht abschrecken lassen. Die Früchte von fünf Jahren hartnäckiger Forschungsarbeit stecken in seiner jetzt erschienenen, buchstäblich gewichtigen Ibscher-Biografie.
Der Verfasser macht von der ersten Seine an klar, dass er ganz anderer Ansicht ist als der von ihm Porträtierte. Eckert interessierte an Ibscher gerade das Private. Fast romanhaft wird geschildert, wie der 14-jährige Sohn eines biederen Dorfschmiedes im damaligen Niederschlesien beschließt, sein Leben der Kunst zu widmen. Gefühlvoll ausgeschmückt werden dessen erste Begegnungen mit der Welt der Bilder während der Lehrjahre in der „Holzschnitzschule“ Warmbrunn.
Voll Dramatik ist die Darstellung der Erlebnisse des angehenden Bildhauers Walter Ibscher als Soldat und als Gefangener im Zweiten Weltkrieg. Berichtet wird ebenso von der Flucht seiner Familie aus Schlesien, von den Schwierigkeiten, in Franken eine neue Heimat zu finden, von Familiengründung und Hausbau.
Sehr anschaulich gezeichnet sind die Studienjahre an der Nürnberger Kunstakademie, die Bewältigung der ersten öffentlichen Aufträge, die Freude über Ausstellungserfolge im In- und Ausland. Wer jedoch etwas über Denken und Arbeitsweise Ibschers wissen will, wer Informationen zu inhaltlichen und stilistischen Wandlungen in seinem Werk sucht, wird mit dem vorliegenden Band weniger zufrieden sein.
Erwähnt werden zwar „Wegbereiter und Vorbilder“ von Michelangelo bis Lehmbruck, Brancusi und Giacometti, wichtiger gewesen wäre aber der eine oder andere Hinweis auf Ibschers konkreten Standpunkt im Kontext der regionalen Kunstszene.
Dr. Claus Pese, bis 2007 Abteilungsleiter des Archivs für Bildende Kunst am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg schreibt in einem Brief an den Autor vom 18. Dezember 2006.
„Ganz besonders imponiert hat mir an Ihrem Werk der Schwerpunkt auf die Persönlichkeit und die Entwicklung des Menschen Walter Ibscher aus seinem regionalen und familiären Umfeld heraus. Da ein Künstler notwendigerweise auch ein Mensch ist, finde ich die Betonung der menschlichen Seite Walter Ibschers in Ihrem Buch als besonders eindringlich und lesenswert.“
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