Günther Beckstein, Dr. jur., *1943 in Hersbruck, Bayerischer Ministerpräsident
„Zum 75. Geburtstag von Herrn Walter Ibscher gratuliere ich herzlich. Den Titel der Jubiläumsausstellung zu seinen Ehren ‚Wind unter den Flügeln‘ halte ich in zweifacher Hinsicht für bedeutsam: Einerseits hat ihn der Hauch der Muse beflügelt und als erfolgreichen Künstler in die ganze Welt getragen. Andererseits haben Optimismus, Mut und sein tiefverwurzelter Glaube Walter Ibscher zu einem Lebenskünstler gemacht, wenn der Wind des Schicksals ihm auch manche Feder abgefordert hat.
Walter Ibscher ist gut 15 Jahre älter als ich. Er verkörpert für mich das Schicksal vieler Vertriebener, die das moderne Bayern mit aufgebaut und hier eine neue Heimat gefunden haben. Walter Ibscher hat die typischen Stationen des Vertriebenenschicksals am eigenen Leib durchlitten und erfahren: Flucht und Vertreibung aus Schlesien, den Wiederaufbau Nürnbergs und den immensen Beitrag der Vertriebenen für die Gestaltung unserer Gesellschaft. Nürnberg war und ist ein Ort der Zuflucht und Integration. Walter Ibscher hat das Aussehen wie das Ansehen Nürnbergs entscheidend mitgeprägt – denken wir nur an seine zahlreichen Skulpturen auf öffentlichen Plätzen. Dabei ist er seiner alten Heimat Schlesien stets treu verbunden geblieben.
Ich kenne Walter Ibscher seit nunmehr 20 Jahren. Wir lernten uns bei der Ausgestaltung von Kirchen in Nürnberg kennen. Uns beide verbindet unsere religiöse Überzeugung, unser Vertrauen in Gott sowie die Zuneigung und die Verbundenheit mit Nürnberg. Sein ungeheures Farb- und Formgefühl, sein großes künstlerisches Talent haben mich sofort beeindruckt. Davon zeugen auch die zahlreichen Ausstellungen in aller Welt und seine Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Nürnberg.
Ich wünsche Walter Ibscher alles erdenklich Gute für die kommenden Jahre, stabile Gesundheit, Glück und Zufriedenheit und dass seine künstlerische Kreativität ihn weiterhin beflügeln möge!“ [1]
Udo Kaller, *1943 in Gleiwitz (Oberschlesien), Maler und Grafiker
„Meine erste Begegnung mit Walter Ibscher war im Jahr 1967. Anlaß dafür war eine gemeinsame Ausstellung in einer alten Villa in der Pirckheimer Straße in Nürnberg, vom 5.9. bis 12.10.67. Die Galeristin Hanna Förster organisierte diese Gruppenausstellung. Mit von der Partie waren der Maler Werner Hofmann, der Fotograf Reinert, Walter Ibscher und ich. Ich kann mich genau erinnern, denn das Plakat habe ich damals gemacht und bin noch im Besitz eines dieser 5 Original-Siebdruckplakate.
Walter Ibscher, der Schlesier und Udo Kaller, der junge Oberschlesier. Wir haben uns gleich gut verstanden. Jeder von uns bestückte einen Raum in der Galerie, Walter mit sakralen, ich mit erotischen Motiven.
Für mich ist Walter Ibscher bis heute der gleich freundliche und stets gutgelaunte Kollege geblieben. Seine Arbeiten zeichnen sich durch solides Handwerk und hervorragenden Umgang mit der Form aus. [...]“ [2]
Peter König, *1953 in Nürnberg, Maler, Grafiker und Zeichner
„Walter Ibscher ist ein sensibler, kreativer Künstler. Diese Aussage gilt nicht nur alleine für seine Kunst, sondern bestimmt das gesamte Wesen des engagierten Mannes. Dabei vereinnahmt er sein Schaffen mit Haut und Haaren. Bemerkenswert ist sein impulsives Hervorpreschen seiner äußersten Sensibilität, sich für sein Aussenherum zu interessieren und sich damit auseinander zu setzen. Wie ein Torero vor dem Stier versucht er, seine einmal an sich gestellte oftmals schwierige Aufgabe zu meistern.
Bemerkenswert ist seine starke Persönlichkeit. Was ich an Walter Ibscher besonders bewundere, ist, wie er seine Frau liebt und wie er Gefühle aufrichtig, ehrlich zugibt. Dies lässt ihn Mensch sein. Besonders schätze ich an Walter Ibscher seine Ehrlichkeit und die Wahrheit in der Kunst. ‚Das Liebespaar’ zeigt seine Liebe zu seiner Frau.
Im Jahr 1992 stellten Walter Ibscher, ich und andere fränkische Künstler in der Galerie Schönberg in Schönberg, die vornehmlich zeitgenössische, gegenständliche Kunst präsentierte, unsere Werke aus. Die Ausstellung fand unter dem Titel ‚33 Künstler aus Franken. Ausstellung einer Auswahl der wichtigsten gegenständlich arbeitenden Künstler in Franken’ statt.
Wenn man mich danach fragt, in welche Richtung ich die Kunst Walter Ibschers einordnen soll, so finde ich darauf keine Antwort. Es stellt sich die Frage: Lässt sich die Kunst von Walter Ibscher überhaupt einordnen? Ich meine nein!
Erstaunlich ist für mich Walter Ibschers tiefe Abneigung gegenüber dem Künstler Joseph Beuys. Als hätten sich beide im Krieg gegenübergestanden. Keinesfalls akzeptiert er bei dem Künstler Joseph Beuys die Arbeitsweise unter Verwendung von für ihm minderwertigen Materalien wie Filz und Fett. Denn bei Walter Ibscher steht die gute Qualität des Materials für seine Werke im Vordergrund.
Im Jahr 1992/1993 arbeitete ich an einem Werk, einem Triptychon mit dem Titel: ‚Christus und die Pharisäer'. Es war eine Arbeit mit Bleistift auf Papier in der Größe 179 x 286 cm. Auf dem linken Bild steht Christus. Vor ihm, im mittleren Bildteil, zeigen fünf Männer, die Pharisäer, mit dem Finger auf Christus. Nachfolgend auf der rechten Seite des Bildes tragen fünf Holzpuppen ein mächtiges, waagrecht liegendes Kreuz. Das Bild war ziemlich fertig. Die Personen und der Raum waren festgelegt. Bis auf ein Problem, das mir unlösbar erschien: die Abmessungen des Querbalken des Kreuzes. Obwohl der Querbalken von mir genauestens abgemessen und in verschiedensten Stärken und Längen oftmals abgeändert wurde und von den gesetzmäßigen Proportionen her genauestens stimmte, war ich mit den Resultaten nicht zufrieden.
An diesem Tag besuchte mich zufällig Walter Ibscher. Ich erzählte ihm sogleich von meiner Arbeit und meinem großen für mich unlösbar erscheinenden Problem. Ich war nahe daran, das Bild wegzuwerfen, weil ich es nicht mehr sehen wollte.
Walter nahm das Bild kurz in Augenschein und sagte, ganz unkompliziert und aus dem Bauch heraus als kompetenter Berater: ‚Das ist ganz einfach. Du machst oben einen Teil kürzer und unten einen Teil länger.‘ – Es hat gepasst! Das zeigte mir wieder einmal, wie wir beide uns von unseren Arbeiten voneinander unterscheiden. Ich als Zeichner, der in den genauen exakten Strich und in die wohlproportionierte Fläche verliebt ist, und der Bildhauer, der Entscheidungen aus dem Bauch heraus trifft.
Walter Ibschers Arbeitsweise ist eng mit der des griechischen Bildhauers Polyklet verbunden: Polyklet bearbeitete anfänglich eine Figur exakt nach dem Kanon des goldenen Schnittes. War die Figur aufgebaut und ausgearbeitet, zerschlug er die genauen Proportionen.
Walter hat die Fähigkeit, aus dem Bauch heraus Entscheidungen zu treffen. Spontaneität ist eines der wesentlichen Merkmale seiner Arbeitsweise. Seine Arbeiten sind stilistisch, facettenreich und thematisch. Sie lassen sich nicht in ein genaues Schema einordnen. Man würde ihm nicht gerecht werden. Auffallend ist die unterschiedliche Qualität seiner Arbeiten. Sie reichen von äußerst gut bis bedingt gut. Es mangelt bei ihm an der besonderen Unterscheidung und Auswahl seiner Arbeiten.
Bei seinen Werken möchte ich unterscheiden und trennen zwischen seinen frei gewählten Themen und Ausführungen und seinen Auftragsarbeiten mit vorgegebener Themenwahl. Als Beispiel möchte ich das Objekt ‚Das Rad‘, ein 300 x 60 cm großes Betonrad am Hauptzollamt in Nürnberg anführen. Ich glaube, dass in den Auftragsarbeiten, weil er sich bei diesen nicht so frei entfalten kann, wie er es gewohnt ist, nicht so stark seine künstlerische Handschrift zeichnet. Daher möchte ich diese Werke in Bezug auf die Beurteilung seines Gesamtwerkes distanzierender betrachten.
Walter Ibschers Arbeiten im Bereich der sakralen Kunst sind sehr ausdrucksstark und von besonderer Qualität in Ausführung und Thema. Ich sehe diese Arbeiten als sein herausragendes Hauptwerk an. Wollte ich von Walter Ibscher Werke kaufen, so müsste ich mehrere Sachen kaufen. Denn seine Werke kommen erst zur besonderen Geltung in der Wiederholung, zum Beispiel wenn mehrere Plastiken aneinander gereiht oder in Gruppen angeordnet stehen.
Die Arbeiten von Walter Ibscher lassen es nicht zu, dass man ihm und seinen Werken stilistisch ein Korsett überstülpt. Durch seine Vielfältigkeit in seinen Arbeiten lässt er eine Einordnung in eine künstlerische Richtung nicht zu. Ihm ist es wichtig, aus seinem Inneren heraus frei über Material, Ausführung, Gestaltung zu verfügen, um so spontane Formenwelten zu erschaffen. Es ist wie ein wilder Hengst, der plötzlich aus ihm herausgaloppiert.
Walter Ibscher unterwirft sich keinen kunsthistorischen Zwängen. Man würde ihm nicht gerecht werden, wollte man ihm solche aufzwingen oder ihn an bestimmten Vorgaben messen. Dies ist für ihn völlig unbedeutend. Wichtig für ihn ist, dass er sich menschlich frei fühlen darf. Seine spontanen Ideen und seine Begeisterung für alles Neue kommen aus der Stärke der Freiheit. Es ist die so genannte kreative Naivität, die ich an Walter Ibscher besonders schätze.“ [3]
Oskar Koller, *1925 in Erlangen, †2004 in Fürth, Maler und Grafiker
„Die erste Begegnung zwischen Walter Ibscher und mir fand an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg statt. Es herrschte damals ein reger Gedankenaustausch unter den Studierenden, natürlich auch zwischen den Maler- und den Bildhauerklassen. Walter Ibscher war damals und ist bis heute sehr offen, dem Anderen zugewandt und an künstlerischen Fragestellungen interessiert.
Später unterstützten wir uns gegenseitig sehr, wenn es um die Anliegen der fränkischen Künstler der Stadt gegenüber ging und eine öffentliche Interessenvertretung notwendig schien.
In seinen Ausdrucksmitteln hat Walter Ibscher eine eigene Sprache entwickelt und konnte vor allem bei Wettbewerben im Bereich ‚Kunst am Bau‘ erfolgreich sein und eine Reihe von Auf-trägen durchführen. Ich wünsche ihm noch viel Schaffenskraft zu seinem Alterswerk.“ [4]
Gerhard Mammel, Dr. (1919–1989), langjähriger Leiter der Münzabteilung am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg
„Der versierte Plastiker von heute beherrscht alle Materialien, Prozeduren und Sparten seiner Disziplin von der miniaturhaften Medaille bis zur überlebensgroßen Figur. Seine ausgeprägte Individualität bestimmt die intensiven Ausdrucksformen, deren sich der Künstler bedient, um seine gestalterischen Vorstellungen ins Werk zu setzen. Dabei tragen ihn sensitive Leidenschaftlichkeit und spirituelle Kräfte gleichermaßen. Der starke Impetus, den die sinnlichen Sphären menschlicher Gefühlswelten ins Spiel bringen, paart sich mit der geistigen Ekstase, die den Künstler durchdringt. Die Fähigkeit zur Identifikation von körperlicher Schönheit und religiöser Bestimmung führt in seinem Werk zu erstaunlichen Lösungen. Expression und Erscheinung werden in ihren spezifischen Kräften im Gestaltungsprozeß versammelt und in einer neuen, sehr persönlichen, künstlerischen Gestalt eingeschmolzen. […] In den letzten Jahren widmet er sich intensiv der Gestaltung von Münzen und Medaillen, freien Erfindungen seiner Formlust und gebundenen Auftragsobjekten. Hier verfolgt er mit seinen Hochprägungen eine Sensibilisierung der Medaille durch die besonders starke Betonung ihrer Tastbarkeit.“
Claus Pese, Dr. phil., *1947 in Fürth, ehem. Bayerischer Kunsthistoriker, bis 2008 Oberkonservator am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg
„Mein Zusammentreffen mit Walter Ibscher war gewissermaßen berufsbedingt. Als Referent des Archivs für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum obliegt mir die Sammlung von schriftlichen Materialien aus allen Bereichen der bildenden Kunst, sofern die Muttersprache des Künstlers Deutsch ist. Wann genau wir einander im Museum zum ersten Mal begegnet sind, vermag ich nicht mehr zu sagen. Jedenfalls ist das Anfang der achtziger Jahre geschehen. Seither wächst der Bestand an Unterlagen zu Leben und Werk Walter Ibschers im Archiv beständig.
Woran ich mich mit Gewißheit erinnere, das war die augenblickliche Sympathie zwischen uns. Walter Ibschers unverfälschte Art, sich verbal darzustellen und ein angenehmes Maß an Kindlichkeit, das er sich bewahrt hat, müssen mich angesprochen haben. Den Zugang zu seinem künstlerischen Schaffen habe ich erst später gefunden.
In seiner Kunst habe ich vor allem die Kaltnadelradierungen schätzen gelernt. Wie er aus schwungvollen Linien menschliche Körper gestaltet, ist einzigartig. Aus Walter Ibschers Blättern spricht eine Menschlichkeit, die mich anrührt und bewegt. Seine plastischen und skulpturalen Arbeiten verraten ein in sich gelagertes Menschsein; eine innere Ruhe, die sich ihre Mitte bewahrt hat. Mit seinen Medaillen hat Walter Ibscher kleine Kunstwerke von hohem Reiz geschaffen, die zu den besten ihrer Art zählen, die in unserer Region entstanden sind.
Noch zu entdecken sind Walter Ibschers kunsttheoretische Überlegungen. Ich freue mich, daß dieses Buch hierfür einen Beitrag leistet.“ [5]
Ludwig Scholz, *1937 in Juliusburg (Kreis Oels, Schlesien), † 2004 in Nürnberg, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg von 1996 bis 2002
„Ich bin Walter Ibscher vor etwa zehn Jahren [1991, Anm. d. Verf.] zum ersten Mal begegnet, und zwar bei einem Schlesiertreffen, das ich damals noch als CSU-Fraktionsvorsitzender im Nürnberger Rathaus besucht habe. Ibscher outete sich mir gegenüber als Landsmann, und als Oberbürgermeister, der die Anliegen der Vertriebenen ernst nimmt und seine familiären Wurzeln niemals verleugnet, bin ich Walter Ibscher in der Folgezeit häufiger begegnet.
Ich habe von ihm eine Kopie des Kreuzes als persönliches Geschenk erhalten, das er für die Kapelle im Südklinikum geschaffen hat. Das große Bronzeportal für die Auferstehungskirche in Zerzabelshof ist eine ebenso beeindruckende Arbeit wie das Bronzeschild im Justizgebäude, das an die internationalen Militärgerichtsprozesse in Nürnberg erinnert. Ibscher war an vielen Kirchenrestaurierungen in unserer Stadt und an der Instandsetzung des Wolffschen Baues unseres Rathauses beteiligt. Ich bewundere seinen Hang zum Vo-luminösen in der Bildhauerei ebenso wie seinen subtilen Humor als Künstler und Mensch.“ [6]
Godehard Schramm, Dr., *1943 in Konstanz, freischaffender Autor
„‚...ich wollte... werden...‘ So beginnen nicht selten die Geständnisse, daß die eigenen Träume zerschellten, zerplatzten. Wer wirklich träumt, der sieht im Traum freilich nicht nur vage oder kühne Wünsche: im Traum wird die Alltagswirklichkeit ergänzt; im Traum wird das scheinbar Unmögliche vorstellbar, und so ist das Wort ‚Traum‘ oft verschwistert mit dem ‚Ziel‘. Gelegentlich bescheren uns Nachrichten ‚Traumergebnisse‘, und mancher könnte sein ‚Traumhaus‘ ziemlich genau skizzieren. Beide Worte schmecken nach einem ‚Endziel‘ – und vielfach sieht das dann auch wie ‚Endstation‘ aus: ...aus der Traum. Gleichen nicht unendlich viele Häuser, als Traum von einem Haus entworfen, einer Kolonie erstarrter Panzer? Und doch gibt es Menschen, die in dem unaufhörlichen Prozeß zwischen Wunschtraum und Anpassung an die Forderungen des Alltäglichen mit einer traumwandlerischen Sicherheit den eigenen Weg gehen und dabei nicht in der gewonnenen Selbstsicherheit erstarren. Hartnäckige und Besessene sind es, die als Träumer vorleben, daß Leben mit Brodeln und Weben verwandt ist, daß im immerzu Unfertigen etwas Vulkanisches vorantreibt und Gestalt annimmt – wie beim unbeugsamen Grashalm. Ein anderes Wort für träumen wäre wachsen. Dann kommt das Gedeihen hinzu. Es ist die uralte Geschichte vom Urtyp des Künstlers: er fügt dem Vorhandenen eine neue, seine Wirklichkeit aus Werken hinzu; er will wachsen und nicht in Serie produzieren. Beim Künstler fruchtet die Mitgift der Zeit ganz anders – beim Künstler ist wieder einmal Schöpfungsanfang, fruchtbares Chaos. Bei Walter Ibscher ist das anschaulich und eindringlich zu erleben. [7]
Heinz Stafski, Dr. (†), ehemaliger Landeskonservator und Leiter der, Skulpturenabteilung am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg
„Erstmalig kamen wir in Kontakt 1960/61 anläßlich der Wiederaufstellung des der Hersbrucker Stadtkirche gehörenden Hochaltars, der im Krieg beträchtlichen Schaden genommen hatte. Mehrere Maßwerkbaldachine und Stützen waren verloren und mußten nach dem Vorbild vorhandener Teile neu geschnitzt werden. Schäden an den figürlichen Teilen waren ebenfalls zu beheben. Diese Arbeiten wurden Herrn Ibscher übertragen, und ich kann aus meiner Sicht als Historiker bestätigen, daß sie mit sicherer Einfühlung in die vorhandene Stilsubstanz erledigt wurden.
Auch außerhalb Nürnbergs fand Herrn Ibschers Gewißenhaftigkeit gegenüber gefährdeten und in ihrem historischem Bestand beeinträchtigten Kunstobjekten Anerkennung, u.a. durch die ihm übertragene Verantwortung für die Wiederherstellung der berühmten Orgel in der Bückeburger Stadtkirche. Diese Prunkorgel, ein Werk des Jesaias Compenius aus Braunschweig, ist 1615 entstanden, während des letzten Krieges erlitt sie beträchtliche Brandschäden, d.h. Verluste an struktiven, figürlichen und ornamentalen Teilen des Gehäuses, die Ibscher mit großem Verständnis für die Formeigentümlichkeiten des Zeitstils behob. Das Gelingen dieser Arbeit ist im Reclam-Kunstführer bestätigt.“ [8]
Wilhelm Uhlig, Prof. em, *1930 in Guttenberg (Oberfranken), ehemaliger Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, freischaffender Bildhauer
„50 Jahre kenne ich Walter Ibscher, seit unserer gemeinsamen Studienzeit. Ich kenne viele Seiten von ihm. Wir haben heitere und streitbare Zeiten miteinander erlebt. Ein sehr eigenwilliger Bildhauer, der in sich und seiner Familie ruht und sich dort Kraft holt. Seine Frau ist ihm Stütze und gibt ihm Ruhe zu seiner Entfaltung. Kein Markenzeichen. Oder doch?
Langgestreckt ist alles, ob Figur, Zeichnung oder Holzschnitt. Es mag die Reaktion eines an Wuchs kleinen Menschen sein. Weil er übersehen werden könnte, ist er gern etwas vorndran. Das macht ihn nicht immer beliebt.
Aber ich kenne ihn. Er hat andere Qualitäten, die leicht übersehen werden von Leuten, die nicht sehen können oder wollen.
Walter Ibscher ist ein eigener Bildhauer, kein Schubladentyp, kein Markenzeichen, wie heute üblich. Ibscher ist viel zu empfindsam, er reagiert auf alles, auf Material im Besonderen. Alles verwendet er, ob Silber oder Gold, Bernstein oder Mooreiche, Marmor oder Edelstein. Manchmal ist es zuviel des Arrangements. Bei Entwürfen für Wettbewerbe z.B. kommt manchmal zuviel zusammen. Aber er schöpft aus der Fülle – und die möchte er weitergeben.
Auch als Lehrer möchte er davon weitergeben, von seiner Fülle an künstlerischem Sehen und Empfinden.
Er ist ein Zauberer in einer von ihm geschaffenen Zauberwelt. Voller Phantasie und reich an künstlerischem Schaffensdrang.
Ein ‚KleinZack’, wie aus E.T.A. Hoffmanns Erzählung. Er liebt ja auch den Gesang, vor allem die hohen Töne. Er nahm privaten Gesangunterricht und gestaltete aus Mooreiche tönende Holzpfähle!
Stetig, unermüdlich und ehrgeizig ist er in seiner künstlerischen Tätigkeit wie in seinem künstlerischen Denken. Sein Leben besteht aus Kunst und Denken in Kunst. Ein von seinen künstlerischen Ideen Besessener.
So grub er in seinem Garten eine Höhle, mehrere Stockwerke tief, legte die Stufen mit Marmor aus und stellte in den Mittelpunkt eine überlebensgroße Christusfigur – aus Mooreiche versteht sich. Er hatte sie beim Kanalbau in Bamberg ausgegraben. In der Tiefe des Erdreichs stieß er auf Felsen, durchgrub ihn mit Hammer und Meißel und fand Grundwasser, bestes Wasser, Heilwasser seiner Meinung nach. Und er fand Abdrücke von Sauriern!
Mit der Hinwendung zum Elementaren und Extremen ist Ibscher in seinem Element. So auch sein Bedürfnis, mit Pflanzen zu leben. Sein Garten ist eine exotische Insel inmitten von Siedlungshäusern. Von überall nahm er im Reisegepäck Pflanzen mit, als Nichtautofahrer im Rucksack sogar.
Als er mich 1962 in der Villa Massimo besuchte, sah ich ihn vom Fenster aus in aller Früh im taufrischen Rasen herumsteigen und Pflanzen ausgraben – im Schlafanzug. Seine vielfältigen Aktivitäten mit Reisen bis nach Amerika haben ihm Anerkennung und Auszeichnungen eingebracht. Sie haben ihn nicht ruhen lassen, sondern waren ihm Ansporn.
So extrem und skurril, wie er im Menschlichen ist, sind auch seine künstlerischen Produkte. Oft entlocken sie dem Betrachter ein Schmunzeln, gleichzeitig ist man vom Außergewöhnlichen beeindruckt. Wie bereits angedeutet, scheint mir seine Körpergröße, unter der er zeitlebens litt – ein als groß bezeichneter Mensch ist für ihn nur lang – eine gewaltige Triebfeder für viele überdimensionale Arbeiten und Monster.
Ibscher ist ein gläubiger Mensch und seine religiösen Gestaltungen – es gibt viele Arbeiten davon – kommen von innen heraus, aus seinem persönlichen Empfinden. Letztendlich ist sein ganzes Schaffen von einer anrührenden gläubigen Naivität. Schon in seinen Jugendarbeiten ist man davon berührt.
Nach all diesen Ausführungen zum Menschen Ibscher fragt man sich, warum ich solche Dinge anführe? Weil sie hinführen zu Walter Ibschers Kunst und ihrer Qualität. Er ist ein ‚Verbohrter’, der auch in schwierigen finanziellen Verhältnissen unbeirrt seinem schöpferischen Drang und seiner Phantasie nachging. Walter Ibscher hat sich frei gemacht und arbeitet, wie es seinem Wesen entspricht. Ich bewundere sein Talent, seine Freiheit, seine Kraft und Hartnäckigkeit. So machte er während einer lebensbedrohenden Krankheit noch im Krankenhaus Skizzen von Personal und Kranken.
Seine Tätigkeit als Lehrer ist ihm eine Herzensangelegenheit.
Seine Arbeiten sind in seinen Büchern aus berufenem Munde besser beschrieben worden, als ich es hier in Kürze tun könnte.
Nur eines möchte ich erwähnen, sein neues, vom ‚Haus der Heimat‘ in Nürnberg herausgegebenes Buch ‚Flucht und Vertreibung. Kaltnadelradierungen von Walter Ibscher‘.
Diese eindrucksvollen und spontanen Radierungen sind von beneidenswerter Qualität und Aufrichtigkeit. Hier ist in besonderer Weise Persönlichkeit und Ethos zu spüren, wie man es sich von einem Lehrer nicht besser wünschen kann.
‚Ohne Eros und Glaubensstärke gibt es keine Kunst‘, wie Walter Ibscher mir verschmitzt, aber mit Ernst auf einem Spaziergang sagte.
Bei allem Spektakulären, das Walter Ibscher auch hat, ist er ein Stiller im Lande, bei allem Außergewöhnlichen ist er kein gängiger Moderner unserer Zeit, aber ein wertvoller Mensch und Künstler mit Qualitäten.“ [9]
[1] Dr. Günther Beckstein in einem Brief an den Verfasser vom 5. Juni 2001 anlässlich der Jubiläumsausstellung von Walter Ibscher in der Galerie in der Freibank in Fürth 2001.
[2] Maler und Grafiker Udo Kaller in einem Brief an den Verfasser vom 3. April 2001.
[3] Peter König in einem Gespräch mit dem Verfasser am 20. April 2001.
[4] Maler Oskar Koller in einem Brief an den Verfasser vom 29. März 2001.
[5] Dr. Claus Pese in einem Brief an den Verfasser vom 9. April 2001.
[6] Brief des Alt-Oberbürgermeisters Ludwig Scholz an den Verfasser vom 23. April 2001.
[7] Oasentraum mit Trompetenbaum. Bei Walter Ibscher, aus dem Essay von Godehard Schramm, in: Walter Ibscher. Bildhauer und Grafiker, herausgegeben von Claus Pese, Nürnberg 1998, S. 9.
[8] Heinz Stafski in einem Schreiben an Walter Ibscher vom 30. Januar 1975.
[9] Professor em. Wilhelm Uhlig in einem Brief an den Verfasser vom 31. Mai 2001.
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